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Terror-Schule Internet

Hamburg, 28. Juli 2005 - Die Anschlagsserie von London wirft die Frage auf, wie die Attentäter rekrutiert wurden. Hamburger Internet-Experten haben ein neues Muster gefunden: Al-Qaida sucht sich ihre zukünftigen Märtyrer selbst und zwar per Internet.

Bis zu den Anschlägen 9/11 gab es nur eine Rekrutierungsmethode der Al-Qaida: "Die Moschee ist ein guter Ort für die Jagd", heißt es in dem Kapitel "Rekrutierung" eines Bandes der Enzyklopädie des Dschihad, einem rund 7000-seitigen Terror-Handbuch des Netzwerks. Bei gedämpftem Licht soll man sich mit willigen Rekruten zunächst immer wieder Dschihad-Filme anschauen. Nach etlichen Prüfungen und einer militärischen sowie religiösen Ausbildung soll der Anwerber dann den entscheidenden Satz fallen lassen: "Das Tor zum Schlachtfeld hat sich für dich geöffnet." Bis zum 11. September 2001 galt diese Methodik als Standardverfahren zur Rekrutierung des Al-Qaida-Nachwuchses. Verbundene Organisationen, die den Nachschub für den Dschihad im Irak organisieren, agieren noch heute so. Doch die Reaktionen auf die verübten Terroranschläge in New York, Washington und Madrid haben das Rekrutierungs-Verfahren verändert. Die Trainingslager in Afghanistan sind in Schutt und Asche gelegt, Moscheen und radikale islamische Zentren in Europa und den USA stehen unter verschärfter Beobachtung und werden deshalb von militanten Islamisten im Westen sogar gemieden. Doch ist es tatsächlich undenkbar, dass Terror-Adepten heute noch, wie seinerzeit die Hamburger Zelle um Mohammed Atta durch Operationschef Khalid Scheich Mohammed, direkt von der Al-Qaida-Spitze gebrieft werden? Während man bislang annahm, dass die Al-Qaida-Spitze vollumfänglich damit beschäftigt sei selbst am Leben zu bleiben, zeigen die neusten Erkenntnisse der Hamburger Internet-Experten, dass neue Kommunikationsverhalten und die neue Rekrutierungspraxis der Al-Qaida auf: Rekrutiert wird jetzt per Internet.

Darauf deutet nicht nur die Anschlagsserie von London hin. Nach vorsichtigen ersten Schlussfolgerungen hat sich das folgende Bild bestätigt: Die Rekruten melden sich jetzt verstärkt selbst bei der Al-Qaida und zwar per Internet. Informationen in verschiedenen Internet-Diensten weisen Al-Qaida-Mitgliedern und deren Sympathisanten den Weg und sind seit Jahren in Deutschland online. Auch ohne die Hilfe einer arabischen Tastatur ist es sehr einfach, diese Extremangebote im Internet zu erreichen, auf denen jede Facette des Dschihad erläutert wird, Märtyrer verherrlicht und Waffentypen aller Art erklärt werden. Al-Qaida-Propagandisten haben schon oft geschwärmt, das Internet sei ein "neues, virtuelles Afghanistan". „Jetzt wird das Internet von Al-Quaida auch als Cyber-Mekka zur Rekrutierung neuer Märtyrer genutzt“, so Bert Weingarten, Vorstand der PAN AMP AG. „Gespickt mit Terroranleitungen, Dschihad-Predigten der Untergrund-Imame, Filme über Terroranschläge im Irak, Anleitungen für den Bau von Raketen, Sprenggürteln und Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoff bilden eine höchst -explosive- Gefahrenlage“, so Weingarten weiter. Mehrere Internet-Foren, bei denen internationale Geheimdienste davon ausgehen, dass deren Betreiber "mehr als nur Al-Qaida-Sympathisanten" sind, bieten überdies Kanäle für eine "besonders sichere Kommunikation" an. Was hier geschieht, ist von den Geheimdiensten aktuell nicht mehr nachvollziehbar. "Aufgrund von Einsparungen stehen dringend notwendige Technologien zur Auffindung nicht zur Verfügung. Weiter fehlt es massiv an staatlichen Internet-Fahndern die die unzähligen arabischen Mundarten verstehen und die angewandten Sprachen und Schriftzeichen lesen können. Kurz, das erschreckende Potential der neuen Terror-Schule Internet ist noch längst nicht erkannt. Die Anschläge vom 7. Juli 2005 sind der erste traurige Meilenstein dieser neuen Entwicklung. Die Hamburger Internet-Experten rechnen fest damit, dass solche Anschläge selbsternannter und selbstorganisierter Al-Qaida-Kämpfer auch in Europa häufiger werden, da es in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch immer nicht unter Strafe steht diese Terroranleitungen zu veröffentlichen.

Während die Veröffentlichungen von Film und Textmaterial in den letzten zwei Wochen Politiker in der Schweiz und in Österreich auf den Plan riefen, erklärte das Deutsche Justizministerium noch am 27. Juli, dass der bestehende Artikel 130a ausreichend sei, um eine Verfolgung dieser Inhalte einzuleiten. Der Bundesinnenminister, Herr Otto Schily, SPD, ist im Urlaub und seine Ermittlungsbehörden, welche dringlichst ermitteln müssen, um die Angebote auf Deutschen Servern abzuschalten, sehen im Artikel 130a keine Grundlage, um mit der Abschaltung von Terror- und Bombenbauanleitungen zu beginnen. Die Innere Sicherheit in Deutschland ist unter diesen Bedingungen nicht mehr gewährleistet, so Weingarten abschließend.